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  • Muzika dans The Gazette

    «New Music: Newly released compact discs», The Gazette, 9 novembre 2006
    jeudi 9 novembre 2006 Presse

    Saxophonist/composer Damian Nisenson, born and raised in Argentina and now part of the Montréal scene, showcases a variety of musical influences and styles on this lively CD. Playing alto, tenor and sopranino, Nisenson moves from the danceable and surreal to the comic, and on to the declarative. European and Jewish influences abound, as do references to the jazz tradition and his Argentinian roots. The trio gets more serious with the avant statement Carne da mia perna, but lightens up with the playful Nikadance, in which Nisenson sings Rock-a-Bye Baby in Spanish for textural effect. In these pieces, the avant co-exists with the lyrical. Nisenson’s first recording in Canada makes us beg for more. (4/5)

    Nisenson’s first recording in Canada makes us beg for more.

    Chicken dans Bad Alchemy

    «Kritik», Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no 52, 1 novembre 2006
    mercredi 1 novembre 2006 Presse

    Auch Klaxon Gueule, klaxon wie Hupe und gueule wie Maul, Rachen, ist ein Tummelfeld für Côté percussions & électroniques. Zusammen mit Falaise an guitares & claviers und St-Onge an basses & électroniques spielte er die stark elektrifizierten Improvisationen Bavards (1997), Muets (1999), Grain (2002) ein. Dabei wandelte sich das anfängliche ‘electrolyptische’ Powertrio bald in einen in sich gekehrten Paulus. Mit dieser Hermetik zum Soundkern vorgestossen, zeigt Chicken (&03, 2004) nun ein Trio, das konzentriert seinen bruitistischen Neigungen frsnt und verblüffende Techniken entwickelt hat, seine Instrumentalsounds derart zu molekularisieren, dass man kaum noch an Handarbeit glauben kann. Spielt einmal das Schlagzeug Schlagzeug, bohrt ein Posaunenklang from Nowhere ins Ohr. Wenig ist, was es scheint. Die Differenz von Musique concrète, die dabei evolutionäre Fühler zum Flow von Electronica hin ausstreckt, und von Plinkplonking, etwa der Sofa-Familie (Zach, Grydeland), von Perlonex, aber vor allem von franzäsischen Grenzverwischungen zwischen elektronischer und instrumentaler Improvisation (Marchetti, Noetinger, Triolid etc.), sie scheint hier implodiert zu sein. Beständig träpfelt ein aleatorischer Nieselregen aufs Trommelfell, ausgeläst von ins Unkenntliche mutierten Gitarrenfitzelchen und Basstupfern. Man fühlt sich wie in einem Aliendschungel voller unglaublicher fra fron fron-Pflanzen(?) und unwahrscheinlicher roken dodelijk-Vägel(?), deren dwong-Gezwitscher und moko braun-Geknarre von Kristallnadeln und Metalloidblättern reflektieren. Klänge, wie sie in der Dämmerung von der Insel des vorigen Tages herüber hallen, fremd und paradiesvogelig.

    63 apparitions dans Bad Alchemy

    «Kritik», Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no 52, 1 novembre 2006
    mercredi 1 novembre 2006 Presse

    63 apparitions (&02) ist Michel F Côté elektroakustische Tonspur für eine Tanzchoreographie, wobei der akustische Moment hauptsächlich von Piano und Kleinstpercussion bestritten wird, eingesponnen von einer Mixtur aus elektronischen Fetzen und Bräseln, in die Côté noch Zuspielungen einiger Freunde integrierte, Samples, Motärchengeräusche und Gekruspel von Diane Labrosse, Christof Migone und Martin Tétreault. Welche Rolle Cageund Satie dabei spielten, bleibt für mich im Unklaren. In den durchwegs diffus rauschenden, mikrophon zischelnden, schnurrenden oder bitzelnden Geräuschfond sind einzelne Pianonoten getupft und sporadisch erklingen Sounds wie von einer Orgel(?) oder Melodica(?). Noch mehr lassen mich dazwischen romantische Orchestersamples den Kopf heben. Man schaut um sich und staunt über solche melodiäsen und feierlichen Einbrüche, akustische Fata Morganas, deren Gaukelei bei Track 10 mit seinen wehmütigen Fetzen Alter Musik selbst einen Hl. Antonius nicht vällig kalt gelassen hätte. Der dünne, eindringliche Melodica-oder Harmonikaton kehrt wieder, einsame und monotone Pianopongs in Einfingertechnik, simpel, aber effektvoll, gefolgt von eifrig und stottrig kullernder elektronischer Percussivität. Für’s Finale lässt Côté dann noch einmal Geigen loopen und das Piano halbe Tonleitern klimpern, durchsetzt von rumorenden Stärungen. Ich stolpere ja selbst über meinen grob codierten Resonanzboden, auf dem ein bisschen Streichertristesse und Gefiepe gleich Wehmut ausläsen, Geknurspe aber auf einen Stärungsfilter stässt. O sancta simplicitas, o alter Adam.

    Des gestes défaits dans Bad Alchemy

    «Kritik», Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no 52, 1 novembre 2006
    mercredi 1 novembre 2006 Presse

    Ein komplett anderes Spiel spielt Bernard Falaise dann mit Martin Tétreault. Der vor allem mit Yoshihide Otomo bekannt gewordene Turntablist stellte ersterem die Mitschnitte von drei seiner Soloperformances auf dem Fruits de Mhere 2000 zu Verfügung. Der remixte sie nach einem ausgetüftelten Konzept zu 11 x 3:00 mit einem 18-sekündigen Leitmotiv, das diagonal durch die 33 Minuten von Des gestes défaits (&01, 2004) wandert. Falaises Arbeit wird als Dékomposition & Recomposition bezeichnet, seine Mittel mit ordinateur & effets. 11 verschiedene Muster von tickend loopenden oder zuckend pulsierenden Clicks + Cuts-Bändern scheinen jeweils hinterfüttert mit Hintergrundgeräuschen, quallig bis sirrend oder perkussiv rumorende, manchmal bis zu einem blossen Brummen oder Brodeln abgeflacht, durchwegs mit grossem Variantenreichtum hinsichtlich der räumlichen Illusion. Bruitistische Impulse durchstossen die motorische Regelmässigkeit, kein 3-Minuten- Baustein gleicht dem andern. Falaises verwischt dabei sogar das Drehmoment selbst, konstruiert eine Musique concrète, die puls- und dröhnminimalistisch vexiert.

    Unstable Friends dans Bad Alchemy

    «Kritik», Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no 52, 1 novembre 2006
    mercredi 1 novembre 2006 Presse

    Bereits der Auftakt lässt aufmerken — unstable friends (&00, 2003) von Bob ist an sich ein Songprojekt, getragen von der melancholisch verhängten Stimme Éric Berniers. Aber die Musik basiert auf Computer — & Maschinensounds, erzeugt von Bernier selbst, Michel F Côté & Guy Trifiro. Wobei die düstere Downbeat-Melange noch zusätzliche Akzente bekommt durch Falaise & St-Onge, Woodwinds von Jean Derome und Normand Guilbeault am Kontrabass. Die Noir-Stimmung und das meist verschleppte Tempo haben den bittersüssen Beigeschmack von TripHop, beim Auftakt mit Portishead-Touch. Aber Berniers weiches, androgynes Timbre, halb verträumt, halb schon resigniert, voller Gedanken, die in wenig hoffnungsvolle Beziehungsmalaisen verstrickt sind und dadurch auf misanthrope und dystopische Bahnen gelenkt werden, lässt auch an Little Aida denken oder an den Ted Milton von Sublime. Als empfindsamer Wave-Dandy lässt er sich durch die Buffer Zone und eine Landscape Of Panic treiben, ätherisch raunend, eingeschlagen in schwarzen Samt, und endet etwas überraschend, weil uptempo, bei Bacharachs Don’t Make Me Over.

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