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  • Karusell Musik in Vital

    “Review”, Dolf Mulder, Vital, no. 588, August 6, 2007
    Monday, August 6, 2007 Press

    In one word: this is a fantastic cd! Hollmer and Fanfare Pourpour would have fitted perfectly in the program of the resurrected RIO-festival last april in France. Between the dark — but more then excellent!! — music of Guapo, Présent and others, their positive and uplifting music would have been a great contribution. Why linking this Karusell with RIO? Well, Lars Hollmer with Samla Mammas Manna, was one of the groups involved in the RIO-network in the early 80s, as were Stormy Six, Étron Fou, Univers Zero, Henry Cow, etc. RIO had its function in creating a global audience for these groups. Now, so many years later, we can say this was a success. Accordionplayer Lars Hollmer made friends in Canada (Jean Derome, a.o.), and travels the world with his Accordion Tribe. But before that Hollmer made several great solo-albums in the 80s and 90s. From these lps come most of the compositions that we hear on Karusell Musik. Great tunes, all inspired on Swedish folk music. Jean Derome did a great job in arranging them for the fanfare. Fanfare Pourpour are some 20 musicians playing a diversity of wind instruments of course, but also several string instruments (mandoline, guitar, banjo, violin) plus percussion. And accordion not to forget, one of them played by Lars Hollmer himself who also sings on several pieces. The pieces were rehearsed and recorded with Lars Hollmer during a week in October 2006. They must have had a lot of fun, as the Fanfare gives way to a very joyous interpretation of Hollmer’s pieces. They embraced his music with great enthusiasm. For Hollmer it is the second time that his super melodic tunes are interpreted by musicians somewhere else on this planet. In 2000 he recorded with a group of japanese musicians (Global Home Project). Fanfare Pourpour has a history going back to the 70s, but since they are working together with musicians from the impro scene, they release every now and then a cd. The first one in 1999 (Tout le monde), the second one (Le bal) in 2004 with compositions by band members. And now the irresistible Karusell Musik, a very successful collaboration. Chapeau!

    In one word: this is a fantastic cd!

    Michael Oesterle: l’hiver monastique in Bad Alchemy

    “Kritik”, Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no. 55, August 1, 2007
    Wednesday, August 1, 2007 Press

    2005 hatte sich schon Philip Gröning mit seinem Dokumentarfilm Die große Stille, den er in der Großen Kartause bei Grenoble drehen konnte, in eine klösterliche Welt versenkt, die völlig durch Kontemplation und Stille bestimmt wird. Der 1968 in Ulm geborene, 1982 nach Kanada ausgewanderte Komponist Oesterle hat ebenfalls, schon im Jahr 2000, mit L’hiver monastique«70 consolations harmoniques pour violon» ein Werk geschaffen, das ganz einer strengen mönchischen Ordnung unterliegt. Die Geige betet einen Rosenkranz aus 70 Akkorden. Repetitionen und Veränderungen fügen sich zu einer durchgehenden Kette, weil jeder Akkord mindestens eine, oft auch zwei Noten an den nachfolgenden weitergibt. Interpret ist der Freiburger Clemens Merkel, der seit seiner Übersiedlung nach Kanada im Quatuor Bozzini spielt. Die Aufnahme entstand 2001 in der Hôtellerie St. Norbert in Winnipeg, 1892 von Trappisten erbaut, inzwischen aber nur noch Kulturdenkmal. Schon die ersten Töne, so dissonant gemischt, dass sie so rau kratzen wie man sich Mönchskutten vorstellen mag, verbreiten eine Aura des Kargen, Fröstelnden, Monotonen, aber auch eine hartnäckige Konsequenz und Hingabe. Ihre Unschärfe lässt diese New Simplicity wie Alte Musik klingen, mittelalterlich, ländlich. Cages Chorals haben einen ähnlichen Duktus, nur dass Oesterle einen minimalistischen, geradezu Feldman’esk langen Atem für Wiederholungen mit ständigen Verschiebungen verlangt, bei gleichzeitig meist hohem Tempo. Call & Response-Motive tauchen auf, eine dünne, klägliche Stimme, der eine dunkle, bestimmtere antwortet. Oder umgekehrt? Die 70 Tröstungen erstrecken sich über 75 Minuten. Mir vermitteln sie keinen Trost, eher die Mahnung: Tempus fugit.

    Bebe Donkey in Bad Alchemy

    “Kritik”, Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no. 55, August 1, 2007
    Wednesday, August 1, 2007 Press

    Die Begegnung mit Derek Bailey 2002 war schon ein Schlüsselerlebnis für den Gitarristen Antoine Berthiaume, aber ein Semester am Mills College bei Fred Frith und Joëlle Léandre verschob seine Perspektive ein weiteres Mal. In Oakland traf er auch auf die Flötistin & Laptopelektronikerin MaryClare Brzytwa, die sich als ein Wurmloch in ein Riot Grrrl-Wunderland entpuppt. Die 1981 in Youngstown, Ohio, geborene Tochter sehr katholischer Polen ist eine rasiermesserscharfe “Queen of B-bands”: In Bolivar Zoar mit Ava Mendoza & Theresa Wong halbwegs zwischen Äffchen und Engeln, oder wie Mendoza meint, halbwegs zwischen Bo Diddley und Hildegard von Bingen; als Byznich setzt sie im Alleingang ihr Mysti Marie Teater in Szene; und bei Slow, Children improvisiert sie mit der Kotospielerin Kanoko Nishi & der Drummerin Shayna Dunkelman E!!!!!motronics. Womit klar sein dürfte, warum Carla Kihlstedt sie auf das Unlimited 21 nach Wels eingeladen hat. Das MySpace-Wurmloch hat mich inzwischen über The Norman Conquest zu Nuclear Times rutschen lassen, dem Trio von Norman Teale mit Quentin Sirjacq und Berthiaume. Schwindlig gewirbelt durch diese Oakland-zentrierte MySpace-Zentrifuge, lande ich erst jetzt wirklich bei Bebe Donkey, benannt nach dem Donkey Punch Who is Really A Roller Derby Girl from Philadelphia. Berthiaume & Brzytwa scheinen da ihre Bewerbung abzugeben für eines dieser Akusmatikstipendien, die man nur bekommt, wenn man Bruitismus als ernste Sache betreibt. Alle Anklänge an Quirky-Pop, Frauenpower und Anti-Bush-Politik, in der Oakland-Szene allgegenwärtig, werden abgeschliffen zu schimmernden Gitarrendrones oder im Laptop zerschrotet, um damit abstrakte Gemälde zu bespritzen. Knispelige, knarzige Clicks, spotzige Störsignale und brummig verzerrte Wellen rauschen vorüber, ab und zu auch ein Anhauch von Flöte und keuchender Stimme. Bis Punch mit elegischer Zartheit und gezupfter Gitarre einem unerwartet direkt in die Augen schaut. Und She also tut das einige knurschige und pfiffige Minuten später noch einmal, mit orgelähnlichem Melos. Als Clou schließt Alitron mit einer verrauschten Hommage an Derek Bailey.

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