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  • Arbor Vitæ in Klassik.com

    “Das Innenleben der Klänge”, Stefan Drees, Klassik.com, July 1, 2009
    Wednesday, July 1, 2009 Press

    Dass das kanadische Quatuor Bozzini hierzulande nur am Rande wahrgenommen wird, hat sicher nichts mit der Qualität des Vortrags zu tun. Vielleicht liegt es eher am nicht ganz alltäglichen Repertoire, das die vier Musiker Clemens Merkel (Violine), Nadia Francavilla (Violine), Stéphanie Bozzini (Viola) und Isabelle Bozzini (Violoncello) ins Zentrum ihrer interpretatorischen Tätigkeit stellen. Seit seiner Gründung im Jahr 1999 hat das Quartett eine ganze Reihe ausgezeichneter CDs mit zum Teil sehr selten zu hörenden Kompositionen in dem ensembleeigenen Label collection quatuor bozzini im Vertriev von DAME (actuellecd.com) eingespielt, darunter ein ‚Portrait Montréal’ mit Werken von Claude Vivier, Jean Lesage, Michael Oesterle und Malcolm Goldstein (2004), eine fulminante Neuaufnahme von Steve Reichs Different Trains, die sich auch auf eine Neuproduktion der zur Komposition gehörenden Zuspielbänder erstreckte (2005), sowie die Platte Le livre des mélancolies mit Werken von Piotr Grella-Mozejko und Jean Lesage (2008).

    Ein amerikanischer Avantgardist

    Mit ihrer im vorigen Jahr erschienenen Produktion Arbor Vitae widmen sich die Musiker ausschließlich dem Schaffen des Amerikaners James Tenney (1934—2006), der wie nur wenige andere seiner Kollegen eine genuin amerikanische Tradition ‚avantgardistischen’ Komponierens verkörperte. Gegenstand der bemerkenswert runden und sehr hörenswerte Doppel-CD sind Tenney Streichquartette und Quintette mit Streichquartettbeteiligung — eine Musik, die es dem Hörer allerdings nicht gerade leicht macht, sondern ihn mit ungewohnten Klangsituationen jenseits des temperierten Tonsystems konfrontiert. Es ehrt die Musiker, dass sie sich mit dieser anspruchsvollen Musik so intensiv auseinandergesetzt haben, zumal die Umsetzung die Fähigkeiten des Ensembles bis ins äußerste Extrem herausfordert. Die Präzision der Ausführung ist außerordentlich und verdeutlicht, mit welch großem Ernst das Quatuor Bozzini diese Aufgabe in Angriff genommen hat.

    Viele von Tenney Stücke ähneln sich insofern, als sie einen sehr einfachen Formverlauf umschreiben, bei dem ein bestimmtes Prinzip solange wiederholt wird, bis gewissermaßen eine Sättigung eingetreten ist, der Prozess sich auf ähnliche Weise umkehrt und zu seinem Beginn zurückführt oder einfach abbricht. Das komplexe Geschehen findet daher im Innern der Klänge statt, denn der Komponist verwendet immer wieder Elemente wie reine (nicht temperierte) Stimmung und mikrotonale Harmonik. Hat man sich der Hörer erst einmal auf diese Voraussetzungen eingelassen, öffnet sich eine faszinierende Welt voller überraschender Schattierungen, wie sie besonders in Saxony für Streichquartett und Delay (1978-84) zum Zuge kommt: Hier wird über einem kontinuierlich unter Ausnutzung live-elektronischen Delays geformten Grundton ein ständig sich wandelndes Farbspektrum erzeugt, dessen Changieren durch Hinzutreten weiter entfernter (und nach unten transponierter) Obertöne immer vielfarbiger wird, um dann am Ende wieder in den einfachen Klang aus Grundton und Oktave mündet.

    Ebenso wirksam ist aber auch die Komposition Arbor Vitae (2006), von Tenney für das Quatuor Bozzini komponiert, die einen einfachen Bogen beschreibt. Dieser beginnt mit Flageoletts, die in höchster Höhe lokalisiert sind und aufgrund ihres Rauschanteils kaum wahrnehmbar sind, erst ganz allmählich durch allmähliche Erschließung der tieferen Registerbereiche und durch dynamisches Anwachsen in den Fokus der Wahrnehmung rücken, um sich danach erneut Ende nach oben zu entfernen. Und in Koan for String Quartet (1984) färbt der Komponist einen pulsierend dargebotenen Intervallrahmen durch eine gleitend den Tonraum zwischen den Rahmenintervallen durchschreitende Stimme ein und berührt dabei eine Vielzahl ungewöhnlicher Intervallbeziehungen. Das String Quartet in One Movement (1955) zeigt den 21-jährigen Tenney dagegen noch im Schatten einer expressionistischen, von Béla Bartók beeinflussten Musiksprache auf der Suche nach dem eigenen Weg, während das kurze Stochastic String Quartet (1963) einen rhythmisch komplexen Versuch darstellt, den beim Komponieren den Computer zum Einsatz zu bringen.

    Streichquartett und …

    Die zweite der beiden CDs beinhaltet jene Kompositionen Tenney, bei denen das Streichquartett durch jeweils unterschiedliche Instrumente zu einer Quintettbesetzung ergänzt wird, woraus ganz andere musikalische Fragestellungen resultieren. Die klanglichen Ergebnisse unterscheiden sich dementsprechend nicht unbeträchtlich voneinander: Cognate Canons für Streichquartett und Schlagzeug (1994; mit Rick Sacks, Schlagzeug) erweist sich als Verschränkung von crescendierenden, harmonisch immer anders gearbeiteten Streicherklangflächen und Schlagzeugaktionen, zwischen denen die Pizzicati der Streicher als eine Art verbindendes Elemente erklingen. Die Diaphonic Study für Streichquartett und Klavier (1997; mit Eve Egoyan, Klavier) bezieht ihren Reiz hingegen aus dem Gegenüber des temperiert gestimmten Tasteninstruments und der komplexen, auf Mikrointervallen basierenden Harmonik der Streicher, wodurch zum Teil extreme harmonische Spannungszustände ausprägt werden.

    Zu den eindrücklichsten Werken der Veröffentlichung gehört schließlich Quintext I-V: Five Textures für Streichquartett und Kontrabass (1972; mit Miriam Shalinsky, Kontrabass), eine Abfolge von sehr individuell geformten Studien, die völlig auf melodische Entwicklungen und dramatische Momente verzichten. Stattdessen treten, verstärkt durch eine in die in die Bassregion erweiterte Instrumentenpalette, essenzielle Klangcharakteristika der Streicher in den Mittelpunkt, die — worauf die Widmung der einzelnen Stücke an bedeutsame Komponistenkollegen des 20. Jahrhunderts hinweist — unter der Perspektive bestimmter ästhetischer Ideen betrachtet werden. Hier wird noch einmal im Detail deutlich, welche außerordentliche musikalische Leistung die Umsetzung all dieser Komposition tatsächlich darstellt: Dem Quatuor Bozzini und seinen Quintett-Mitstreitern ist dafür unbedingt Respekt zu zollen. Wer sich vor neuen Entdeckungen nicht scheut, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen und in diese Produktion hineinhören. Schade ist einzig, dass der aufs Innere der Kartonhülle gedruckte (französische und englische) Begleittext als Einführung in Tenney Schaffen sehr mager ist.

    Hier wird im Detail deutlich, welche außerordentliche musikalische Leistung die Umsetzung all dieser Komposition tatsächlich darstellt: Dem Quatuor Bozzini und seinen Quintett-Mitstreitern ist dafür unbedingt Respekt zu zollen.

    Normand Guilbeault, Pierre Labbé, Pierre St-Jak in Le Devoir

    “Un OFF très in”, Serge Truffaut, Le Devoir, June 29, 2009
    Monday, June 29, 2009 Press

    L’OFF Festival de jazz enregistre une hausse de 20% de son assistance

    La dixième édition de l’OFF Festival de jazz de Montréal s’est conclue, dans un Lion d’Or archibondé, sous le signe de la chaleur, de la passion et des ponctuations rythmées d’un public captivé par la densité et la verve musicale du contrebassiste Normand Guilbeault et de ses complices. L’OFF s’est conclu également sur une note pleine d’encouragement pour l’avenir: le nombre de spectateurs a enregistré une augmentation prononcée (+ 20%).

    Comme cela avait été annoncé, la prestation de Guilbeault s’est déroulée sous le patronage exclusif d’un artiste dont la voix révoltée et sensuelle nous manque toujours. Il s’agit évidemment de Charles Mingus, contrebassiste obsédé par l’essentiel, compositeur obsédé par la pertinence de chaque note, par le poids et la profondeur de celle-ci.

    Pour mener à bien son aventure, Guilbeault a formé un groupe stupéfiant: Jean Derome aux saxos, Mathieu Bélanger aux clarinettes, Ivanhoe Jolicœur à la trompette, Jean Sabourin à la trompette basse et au sousaphone, Karen Young au chant, l’énergique Claude Lavergne à la batterie et Normand Deveault au piano. Un Deveault digne héritier de Don Pullen, dernier pianiste de Mingus.

    À voir et à entendre Guilbeault, à voir le public, à entendre l’écho qu’il lui renvoyait, on se disait que lui et ses compagnons ont ce quelque chose d’indéfinissable qui est ce quelque chose qu’ils ont en plus et que bien d’autres n’ont pas. Comment dire? Lui et Derome, lui et Jolicœur, le trompettiste trop méconnu, lui et son groupe donnent davantage que ce qui est attendu. Bref, il comble des espérances. Ce qui évidemment n’est pas donné, comme dirait La Palice.

    Outre le spectacle Mingus revu par Guilbeault on retient de cette 10e édition, et des spectacles que l’on a entendus parce qu’on n’a pas tout vu, le spectacle d’ouverture Tremblement de Fer. Soit cette suite composée par Pierre Labbé pour une cinquantaine d’instrumentistes et qu’il a présentée dans un lieu inusité: le Hangar n° 16 dans le Vieux-Port. On prie tous les dieux de l’univers, et les grecs en particulier, que ce Tremblement de Fer soit transposé sur un album.

    On retient également la prestation intense du pianiste Pierre St-Jak au Dièse Onze. Souvent insaisissable, St-Jak n’a pas son pareil pour surprendre, pour relancer ses accompagnateurs, pour sculpter des moments musicaux dans l’argile de la beauté. […]

    Cela étant, cette dixième édition a rencontré un succès inattendu. Les amateurs sont allés en nombre au Lion d’Or, au Cheval Blanc, au Dièse Onze, au Hangar n° 16 et un peu moins à la Chapelle historique du Bon-Pasteur. Et alors? La hausse notable de l’assistance confirme l’appétit d’un public pour un jazz aventureux, propre à aiguiser la curiosité, sensuel, tendance joyeuse et non racoleur.

    La hausse notable de l’assistance confirme l’appétit d’un public pour un jazz aventureux, propre à aiguiser la curiosité, sensuel, tendance joyeuse et non racoleur.

    En concert in All About Jazz

    “Accordion/Bandoneon Threefer: Emilio Solla, Adrian Iaies & Damian Nisenson”, Marcia Hillman, All About Jazz, June 28, 2009
    Sunday, June 28, 2009 Press

    The bandoneon and accordion have begun to show up lately in more jazz-oriented company. Even though they have a reedy sound, they are both basically keyboard instruments and can blend easily with a piano or readily substitute for one. […]

    Damian Nisenson’s Damian Nisenson Trio +3 en concert dispenses with the piano in its configuration and uses both bandoneon and accordion instead. Nisenson is heard on soprano, alto and tenor sax and is the featured player. Recorded in concert in Quebec, this session has all original material, sounding more like Klezmer than jazz. The accordion and bandoneon ably provide the ‘bottom’ for the sound of the group. The emphasis is on the rhythm and invites one to get up and dance; the final track Hora is appropriately titled. Despite instruments from different traditions, the musicians work well together to deliver a cohesive presentation. […]

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