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Billet

Pink Saliva dans Bad Alchemy

«Kritik», Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no 69, 1 mars 2011
mardi 1 mars 2011 Presse

Der Trompeter Ellwood Epps (aka Gordon M Allen) und Drummer Michel F Côté setzten gleich noch einmal ihre Nachtmützen auf für Pink Saliva (&11). Zusammen mit Alexandre St-Onge an E-Bass & Laptop stellen sie sich dem Unheimlichen — wenn ich unhomely mal so fehlübersetzen darf. Wie Ror Wolfs Forscher dem Gebiet der dunklen Gefühle und dem vorläufigen Rand der Dinge. Hier sind es — nautilius pompillius und 54° de céphalorgie deuten es an — imaginäre Korallenriffe, bewohnt von imaginären Kopffüßern, den Cephalopoda. Ein Blick auf ein Mitglied der Familie Nautilidae genügt, damit einem die Spucke weg bleibt. Natürlich ist vor solchem Hinter-, besser wohl Untergrund nicht an bloßes Drumsklimbim, Basspuls und Trompetenschall zu denken. Das improvisatorische Spiel ist in Noise gehüllt wie Kopffüßer in ihre Bizarrerie, Femmes fatales in den Eros tyrannos und postmoderne Kunstwerke in die Aura der verlorenen Aura. when you’re real gone, boy, sweet boy… Die Musik ist zugleich manisch, weil Côté mit allen Tentakeln rappelt und klackert, und gewitzt, erfinderisch wie ‘Daedalus’. Was kann ich für die gelehrten roten Heringe im Korallenriff und dass Stücke nachtmützen und eros turannos heißen? Dazu stösst St-Onge noch Elektrowolken, und Côté hackt Lapsteelfetzen. Epps spuckt abgedrehte bizarre Töne wie ein water dragon, geschmurgelte und gespotzte mit noch größerem Gusto als strahlende. Zischende Gitarrenimpulse durchkreuzen zuletzt sein amouröses und irrlichterndes Spiel mit dem molluskenhaft geschmeidigen Bass, der, effektvoll, immer auch etwas mehr ist. Noise ist hier nichts, was von Außen kommt, als Störung. Er ist Ausfluss des Elan vital, der dieser Musik aus allen Poren quillt.