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actuellecd

Kritik

Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no. 69, March 1, 2011

Sagen wir’s mal so: Tiari Kese ist womöglich nicht der Spross eines bulgarischen Hussaren und einer Mezzosopranistin, kein Weggefährte von Guy Debord und auch kein renommierter Interpret von Cage und Satie. Ave <w> (&10) dürfen wir allen Fragwürdigkeiten zum Trotz dennoch diesem Phantom zuschreiben, das mit Unit Vector in Vratsa darauf pocht: da — in Vratsa — bin ich geboren. Electronics & Samples sind die wesentlichen Mittel zu Zwecken, die mit marge brut du ƒ, fonction @ <w>; oder Landing at 6 (t) + √2 Titel tragen, denen der Sonic-Fiction-Anspruch quasi auf die Stirn geschrieben ist. Inmitten der phantastischen Noiseströme sind auch perkussive Zutaten von Michel F Côté und die Unanswered Question-Trompete von E Epps, erstere nur mit Mühe, zu erkennen. Keses Einsatz von Organ, Mellotron, Strings, Waldhorn und Stimme kann dagegen nur geglaubt werden als Ingredienzen, die im Kometenschweif dieser schmutzigen Schneebälle von Musik durchs Weltall geblasen werden. Wenn man mit dem Schwebklang der Trompete und, ja, da ist tatsächlich in Dreams of Spartacus’s Spacecraft klagende oder rufende Vokalisation eingemischt, träumend dahin driftet, werden irdische Maßstäbe zunehmend hinfällig. Die Landung erfolgt mit dumpfen Ruck, der Ausstieg mit Gepolter, begleitet von Glockenschlägen per Piano. Die Xeno-Atmosphäre ist mit brodelnd, zischend und rauschend nur unzureichend angedeutet, das Piano darin so irreal wie das Rokoko, in dem schon einmal eine Odyssee im Weltall endete. ‘Reichmann Sum for S’ mischt in den Noise und die erst noch versonnen angeschlagenen, dann diskant pingenden Pianonoten nun doch noch die Strings und noch einmal die saturn-verstrahlte Trompete. Seltsam, seltsam.

Ave <w>