Skip to main content
actuellecd

Blog

215 results
  • 18
  • 19
  • 20
  • 21
  • 22
  • 23
  • 24
  • 25
  • 26
  • To Continue in Bad Alchemy

    “Kritik”, Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no. 58, May 1, 2008
    Thursday, May 1, 2008 Press

    Nach 10 Jahren schlugen Jean Derome et les Dangereux Zhoms wieder zu und versprechen mit To Continue (AM 172) sogar mehr. Konkret bezieht sich der Titel auf Richard Serras Actions to Relate to Oneself (1968), die das Quintett als Auftakt des Titelstückes a capella rezitiert, bevor Pierre Tanguay einen They-are-coming-to-take-me-away-Beat zu klopfen beginnt. Bei La Grenouille et le Bœuf singt der E-Bassist Pierre Cartier La Fontaines Fabel Der Frosch, der so groß sein wollte wie der Ochse, eine ambivalente Geschichte, die sich als Kritik am Größenwahn von Fröschen lesen lässt, aber auch daran, wie man Ochsen-Privilegien schützt, indem man Ambitionen lächerlich macht. Hier ist das Klavier nicht in seinem Biedersinn gefragt, sondern seiner Analysefähigkeit, und so wird es von Guillaume Dostaler auch gespielt. Tom Walsh Posaunenton repräsentiert eine selbstbewusste Froschperspektive, die Tanguay mit durchwegs aufrührerischen Rhythmen unterstützt. Das Hauptstück Prières würde ich daher auch gern verstehen als ‘Gebete’ etwa im Sinn von Voltaires: Oh Herr, bitte mache alle meine Feinde lächerlich, auch wenn diese 24 Min. lange von Melancholie und Bedrücktheit geprägt sind. Die Posaune fleht bluesig, bis die Drums einen Umschwung einfordern, eine energische Selbstermächtigung, die ostinat So nicht! sagt. Auch Deromes Saxophon klagt, aber aus der Klage wird jetzt Eifer, der in Schwung kommt und sich in Begeisterung verwandelt, die dem ‘Ochsentum’ eine Nase dreht.

    Visions fugitives op. 22 in Bad Alchemy

    “Kritik”, Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no. 58, May 1, 2008
    Thursday, May 1, 2008 Press

    Wie klingt Prokofiev als Jazz? Quartetski Does Prokofiev führt es vor. Der Kontrabassist Pierre-Yves Martel hat Visions fugitives op. 22 (AM 171), genauer, 18 der 20 Klavierminiaturen, die Sergey Prokofiev (1891-1953) 1917 geschriebenen hat, umarrangiert für ein Jazzquartett mit Gordon Allen an der Trompete, Isaiah Ceccarelli am Schlagzeug und Philippe Lauzier an Alto- & Sopranosax und Bassklarinette. Angeregt von Gedichten seines Landsmannes Konstantin Balmont, der mit der Zeile “In jeder flüchtigen Vision erblicke ich Welten Erfüllt vom Wechselspiel der Regenbogenfarben” auch den Titel inspirierte, konnte Prokofiev zeigen, dass er neben seinen sarkastischen und motorischen Fähigkeiten auch lyrisch komponieren konnte. Höchst abwechslungsreich und typisch pluralistisch springt die Musik von heiteren (Con vivacità) zu burlesken (Ridicolosamente), von süßen (Con una dolce lentezza) zu fröhlichen (Allegretto), von wilden (Feroce) zu gramerfüllten (Dolente) Stimmungen. Die meisten kennen von Prokofiev die pathetischen Eisenstein-Soundtracks zu Aleksander Nevsky (1938) und Iwan der Schreckliche (1942-44) oder Peter und der Wolf op. 67. Die Flüchtigen Visionen galten unter Stalins Kulturfuchtel als entartete Werke des Künstlers als junger Affe. Quartetski präpariert genau das als Witz und ‘Jazz’ an der Sache heraus, betont Prokofievs freches, quasi schauspielerisches Umspringen mit ‘Gefühlen’, kostet das Groteske (Inquieto) genau so genüsslich aus wie alle anderen bewusst illusionistischen Momente. Das Marmor zerspringt, der Kalk rieselt und Musik von beträchtlicher Sophistication wird hörbar.

    Höchst abwechslungsreich und typisch pluralistisch springt die Musik von heiteren zu burlesken, von süßen zu fröhlichen, von wilden zu gramerfüllten Stimmungen.

    Musique pour objets en voie de disparition in Bad Alchemy

    “Kritik”, Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no. 58, May 1, 2008
    Thursday, May 1, 2008 Press

    Musik ‘für Dasunddas + Tonband’ ist uns vertraut, aber + 13 tickende Wecker? + handbetriebene Kaffemühle? + 3 Wählscheibentelefone? + 8 Fernseher? + 2 Drucker? + automatischer Anrufbeantworter? + 12 Kaffeemaschinen? All das findet man auf Musique pour objets en voie de disparation (AM 170) von Diane Labrosse. ‘En voie de disparation’ klingt ein wenig nach ‘(Frauen) am Rande des Nervenzusammenbruchs’. Aber die Grande Dame der Musique actuelle wird, um ihren musikalischen Alltag erfolgreich zu gestalten, punktuell unterstützt von Marie-Soleil Bélanger (Geige), Jean Derome (Flöte), Bernard Falaise (E-Gitarre), Lori Freedman (Klarinette), Jean René (Viola) & Pierre Tanguay (Percussion), während sie selbst Akkordeon spielt und alle Zutaten elektroakustisch vermischt. Jede Mixtur reizt verspielt und effektvoll die jeweilige Rezeptur aus: Uhren ticken, Derome schnarcht, dongdongdong klopft der Morgen an die Tür, der Schläfer träumt noch, der Wecker rasselt; eine Geige geigt chinesisch angeschrägt, jemand zerpulvert Kaffebohnen, eine Maultrommel twangt, jemand summt — der Tag kann kommen; jemand wählt sich den Finger wund und reagiert auf das Besetztzeichen mit unmutigem Akkordeongewummer; Derome flötet von Weitem mit einem Tonbandgerät, das schnurrend rotiert, und die Viola zupft dazu Pizzikati; die TV-Konferenzschaltung ist ein von Vögeln bezwitschertes, weiß überrauschtes Pingpongmatch, und die Klarinette seufzt ganz jämmerlich dazu; die Drucker steppen pointillistische Botschaften auf einen dunklen Dröhnfond; die Gitarre schrappt grummelig gegen ein Gewirr von Automatenstimmen an; während der Kaffee durchschmurgel, geht zu melancholischen Gitarrendrones ein Gewitter nieder.

    Aber die Grande Dame der Musique actuelle wird, um ihren musikalischen Alltag erfolgreich zu gestalten…

    Scat in Bad Alchemy

    “Kritik”, Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no. 58, May 1, 2008
    Thursday, May 1, 2008 Press

    [Tim Brady], Topology: Scat (AM 164) präsentiert vier Arbeiten, die Tim Brady teils direkt für Topology geschrieben hat, teils extra für dieses 5-köpfige Ensemble aus Brisbane umarrangiert hat. Besetzt mit Kontrabass (Robert Davidson), Piano & Sampler (Kylie Davidson), Geige (Christa Powell), Viola (Bernard Hoey) sowie Alto- & Sopranosaxophon (John Babagge) intoniert Topology zuerst SCAT (because we all have voices and stories to tell) (2000). Wider Erwarten ist das kein vokales Musica-Nova-Geblödel, sondern zum quirligen Drive durch Klavier und gurrend gestrichenem Bass erklingt nur kurz eine gehauchte Frauenstimme, während das Altosax melodiöse Schnörkel kurvt und die Geige energisch sägt. Erst im dritten Abschnitt müssen alle Musiker ein Stimmengewirr inszenieren, das in einem Unisonosprechgesangloop mündet. Lightning Field — Darkness / Illumination (1999) setzt für ‘Darkness’ dröhnende Gitarrensamples ein, bei ‘Illumination’ sorgt repetitives Uptempo-Riffing für eine neobarocke Motorik, das Sopranosax für den melodiösen Elan. Für das Violakonzert Dark Matter (Primal Pulse) (1998) wurde Topology mit Percussion, Fagott und Klarinette zum Oktett erweitert, das Tempo ist nicht mehr futuristisch-stakkatohaft, sondern ähnlich wie beim dämmrigen ‘Darkness’ verlangsamt, der Charakter dadurch innig, introspektiv, nur einzelne Pianopings und einige wuchtige Perkussionsschläge funken dazwischen. Struck Twice by Lightning (1999) schließlich ist nur für Viola und ein Tonband geschrieben, das mit zischenden und rumorenden Gitarrenmutationen imprägniert ist, während Hoey ein zweites Mal brilliert.

    Wider Erwarten ist das kein vokales Musica-Nova-Geblödel, sondern zum quirligen Drive durch Klavier und gurrend gestrichenem Bass erklingt nur kurz eine gehauchte Frauenstimme, während das Altosax melodiöse Schnörkel kurvt und die Geige energisch sägt.

    Plumb in Le son du grisli

    “Critique”, Grisli, Le son du grisli, April 23, 2008
    Wednesday, April 23, 2008 Press

    Sur Plumb: le dialogue récemment improvisé par la clarinettiste Lori Freedman et le tromboniste Scott Thomson.

    Instables, les deux intervenants s’imposent des instincts de jeu différents: discours haché ou notes longues gagnées par l’angoisse ou l’ironie, méthode éprouvée mais appliquée encore de l’écoute attentive ou interventions individuelles annulant tout fantasme d’effort commun, pratiques le plus souvent expérimentales. Régulièrement investi, plus rarement convaincant, l’exercice du duo improvisé est ici porté haut par une paire alerte: Lori Freedman et Scott Thomson, Canadiens doués et d’aplomb.

    … l’exercice du duo improvisé est ici porté haut par une paire alerte: Lori Freedman et Scott Thomson

    Visions fugitives op. 22 in Vital

    “Review”, Dolf Mulder, Vital, no. 624, April 22, 2008
    Tuesday, April 22, 2008 Press

    Quartetski Does Prokofiev is a jazz quartet. Bassist Pierre-Yves Martel arranged the Visions fugitives‚ of Prokofiev for a jazz quartet. Other members of this quartet are Gordon Allen (trumpet), Isaiah Ceccarelli (drums) and Philippe Lauzier (alto and soprano sax, bass clarinet). If I didn’t know, I could not have guessed that these compositions are by the hand of Prokofiev or any other composer from this era. This implies that the original music must be very suitable for being transposed to a modern jazz context, or that the arranger and the quartet are very creative in doing so. Probably both are true. In 18 short pieces — most of them about 3-4 minutes — the quartet explores and revives the originals that are even shorter. Prokofiev composed them during the Russian Revolution for piano. They remained at the stage of musical ideas, but prove to be very fitting starting points for improvisation for this very capable quartet.

    … the original music must be very suitable for being transposed to a modern jazz context, or […] the arranger and the quartet are very creative in doing so.
  • 18
  • 19
  • 20
  • 21
  • 22
  • 23
  • 24
  • 25
  • 26