Die Begegnung mit Derek Bailey 2002 war schon ein Schlüsselerlebnis für den Gitarristen Antoine Berthiaume, aber ein Semester am Mills College bei Fred Frith und Joëlle Léandre verschob seine Perspektive ein weiteres Mal. In Oakland traf er auch auf die Flötistin & Laptopelektronikerin MaryClare Brzytwa, die sich als ein Wurmloch in ein Riot Grrrl-Wunderland entpuppt. Die 1981 in Youngstown, Ohio, geborene Tochter sehr katholischer Polen ist eine rasiermesserscharfe “Queen of B-bands”: In Bolivar Zoar mit Ava Mendoza & Theresa Wong halbwegs zwischen Äffchen und Engeln, oder wie Mendoza meint, halbwegs zwischen Bo Diddley und Hildegard von Bingen; als Byznich setzt sie im Alleingang ihr Mysti Marie Teater in Szene; und bei Slow, Children improvisiert sie mit der Kotospielerin Kanoko Nishi & der Drummerin Shayna Dunkelman E!!!!!motronics. Womit klar sein dürfte, warum Carla Kihlstedt sie auf das Unlimited 21 nach Wels eingeladen hat. Das MySpace-Wurmloch hat mich inzwischen über The Norman Conquest zu Nuclear Times rutschen lassen, dem Trio von Norman Teale mit Quentin Sirjacq und Berthiaume. Schwindlig gewirbelt durch diese Oakland-zentrierte MySpace-Zentrifuge, lande ich erst jetzt wirklich bei Bebe Donkey, benannt nach dem Donkey Punch Who is Really A Roller Derby Girl from Philadelphia. Berthiaume & Brzytwa scheinen da ihre Bewerbung abzugeben für eines dieser Akusmatikstipendien, die man nur bekommt, wenn man Bruitismus als ernste Sache betreibt. Alle Anklänge an Quirky-Pop, Frauenpower und Anti-Bush-Politik, in der Oakland-Szene allgegenwärtig, werden abgeschliffen zu schimmernden Gitarrendrones oder im Laptop zerschrotet, um damit abstrakte Gemälde zu bespritzen. Knispelige, knarzige Clicks, spotzige Störsignale und brummig verzerrte Wellen rauschen vorüber, ab und zu auch ein Anhauch von Flöte und keuchender Stimme. Bis Punch mit elegischer Zartheit und gezupfter Gitarre einem unerwartet direkt in die Augen schaut. Und She also tut das einige knurschige und pfiffige Minuten später noch einmal, mit orgelähnlichem Melos. Als Clou schließt Alitron mit einer verrauschten Hommage an Derek Bailey.