Das Montréaler Streichquartett um die Bozzini-Schwestern Isabelle und Stéphanie hat sich von Beginn an herausgenommen, über die Ränder der Neuen Musik hinweg zu agieren. Zu ihren Interpretationen gehören eben nicht nur Alvin Lucier und John Cage, sondern ebenso elektronische Komponistinnen wie Èliane Radigue oder Sarah Davachi.
Trifft das Quatuor Bozzini auf das ähnlich freigeistige junctQín keyboard collective, ist musikalisches Um-die-Ecke-Denken garantiert. Für a root or mirror, blossom, madder, cracks; together (Collection QB, 28. August) haben sie sich dieser Abenteuerlust entsprechende langformatige Stücke von Rebecca Bruton und Jason Doell ausgesucht, ebenfalls Grenzgänger:innen zu Ambient und elektronischer Pop-Avantgarde. Wo sich Brutons „The Faerie Ribbon” an der Schnittstelle von Freak Folk und Neuer Kammermusik bewegt, spielt Doells „to carry dust & breaks through the body” auf rein akustische Weise mit elektronischen Drone-ENekten, mit minimalen Verschiebungen in direkter Nachbarschaft etwa zu seinen digital manipulierten Pianostücken auf dem experimentellen Ambient/Pop-Label Whited Sepulchre.