Sauter au contenu principal
actuellecd

Kritik

Dylan C Akalin, Jazz & Rock, 16 mars 2026

Das Montréaler Avantgarde-Label Ambiances Magnétiques erweitert seinen Katalog um zwei bemerkenswerte Neuerscheinungen, die am 17. April 2026 auf CD und digital erscheinen werden. Beide Produktionen werden über den traditionsreichen Vertrieb DAME (Distribution Ambiances Magnétiques Etcetera) zugänglich gemacht und spiegeln eindrucksvoll die künstlerische Bandbreite des Labels wider: vom literarisch inspirierten Jazz bis zur radikal offenen Improvisation.

Platanus: Klangräume zwischen Elektronik und Posaune

Deutlich abstrakter präsentiert sich die zweite Veröffentlichung des Labels. Platanus dokumentiert die Zusammenarbeit der in Toronto lebenden Komponistin und Improvisatorin Allison Cameron mit dem Montréaler Posaunisten Scott Thomson.

Gemeinsam erschaffen sie ein schwebendes, beinahe körperlos wirkendes Klangfeld, das sich vollständig aus spontaner Improvisation entwickelt. Thomsons ausgeprägtes Gespür für Klangfarben und Timbres verbindet sich dabei mit Camerons ungewöhnlicher Instrumentierung. Eine zentrale Rolle spielt der Crackle Synthesizer, ein flexiblerer Verwandter der experimentellen Crackle Box. Darüber hinaus kommen weitere Keyboards — hörbar etwa ein Casio SK-1 — sowie Tonbandmaterial zum Einsatz.

Das Resultat ist eine Musik, die sich einfachen Kategorien entzieht und gerade dadurch eine starke Sogwirkung entfaltet. Die fragile, halb entrückte Klangwelt wirkt mitunter, als würde sie aus einer anderen Realität in den Raum hineinströmen.

Das Album ist dem kanadischen Improvisationskünstler und Intermedia-Pionier Nobuo Kubota gewidmet, der im September 2025 im Alter von 93 Jahren verstarb. Cameron und Thomson hatten zuvor häufig gemeinsam mit Kubota musiziert; der auf der Aufnahme verwendete Crackle Synthesizer gehörte ursprünglich dem verstorbenen Kunstler.

Beide Alben erscheinen am 17. April 2026 auf CD und in digitalen Formaten. Vorbestellungen werden in Kürze über die Plattformen des Labels möglich sein.

Mit Le sourire und Platanus unterstreicht Ambiances Magnétiques einmal mehr seine Rolle als wichtiger Motor der nordamerikanischen Improvisationsszene — zwischen literarisch inspiriertem Jazz und radikal offener Klangforschung.

Platanus
Il en résulte une musique qui défie toute catégorisation facile et qui, précisément de ce fait, exerce une puissante attraction. Le paysage sonore, fragile et presque éthéré, semble parfois surgir d’une autre réalité pour envahir la pièce.