Sauter au contenu principal
actuellecd

Kritik

Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no 43, 1 mars 2004

Auf Speaking in Tongues (AM 118) erklingen die improvisationen eines ungewöhnlichen trios, bestückt mit südindischer percussion von Ganesh Anandan, der’zeitgenössischen’ violine von Malcolm Goldstein und der präparierten gitarre von Rainer Wiens. Alle Zeichen verweisen also auf ‘Fusion’ oder ‘Weltmusik’. Die drei virtuosen, von denen Goldstein & Wiens mit Chants Cachés. (AM 066) schon einmal auf Ambiances magnétiques aufgetaucht sind, entziehen sich jedoch diesem klischee, indem sie ganz ohne Eklektizismen oder synthetische ‘Versöhnung’ einem abstrakten expressionismus frönen. Ethnische oder kulturelle zuordenbarkeit wird durchkreuzt durch reine klangverliebtheit, die mit chromatischen finessen vor allem der furiosen violine und mit Dynamikwechseln insbesondere der nuancierten percussion zu faszinieren versteht, während Wiens string-noise als rätselhafter schatten durch die webmuster irrlichtert. Ein highlight ist das gastspiel des saxophonisten Frank Lozano, der als liebeskranker esel Fra Ma Ga Ra zum kabinettstück an komik macht. Immer wenn sich das abgeklärte Know-how zu der im titel versprochenen pfingstlichen glossollalie hinreißen lässt, beginnt im funkenwirbel der geist derart purer musik zu zünden. In dieser einzig legalen form von brandstiftung ereignet sich als permanenter Geburts- und gärungsvorgang eine ‘Neue Musik’, die sich ihrer gänsefüßchen nicht zu schämen braucht.

Speaking in Tongues